Zionskirche, Berlin

Zionskirche, Berlin

Sanierung im laufenden Betrieb

Bauherr: Ev. Kirchengemeinde am Weinberg

Projektzeitraum: 2009-2013, 2015

Baukosten: 1,4 Mio.

Status: Einzeldenkmal

Geschichte

Aus Dankbarkeit, im Jahr 1861 einem Attentat entgangen zu sein, stiftete König Wilhelm I. 10.000 Reichsthaler für den Bau einer Kirche in der nördlichen Stadterweiterung Berlins. Am 2. März 1873 konnte die Zionskirche feierlich geweiht werden. Die Kirche steht in der Mitte des Zionskirchplatzes, einem fünfeckigen Platz im Schnittpunkt dreier Straßen, der als ehemaliger Weinberg den höchsten natürlichen Punkt des alten Berlins darstellt. Diese städtebauliche Situation war für den Architekten August Orth so bedeutsam, dass er den Chor der Kirche nicht, wie üblich nach Osten ausrichtete, sondern nach Norden.

Orth errichtete die Kirche aus Backstein und Terrakotta im Rundbogenstil unter Einfluss der Lombardischen sowie der Rheinischen Romanik, aufbauend auf ersten Entwürfen des Architekten Gustav Möller. Mit dem kompakten Aufbau des Innenraums durch schmale Seitenschiffe und den großzügigen Emporen setzten Möller und Orth die Vorgaben des Eisenacher Regulativs zu den liturgischen Anforderungen an Kirchenräume konsequent um. Auf diese Weise wurde die Zionskirche wegweisend für den Berliner Kirchenbau des späten 19. Jahrhunderts. Kennzeichnend für den überwölbten Innenraum ist der zentralistische Raumeindruck. Der Innenraum sollte, entsprechend der Außenansicht, in der ursprünglichen Planung durch Terrakotta-Formsteine dominiert werden, konnte aus Kostengründen aber nur in Putz realisiert werden. Die Innenausstattung ist beim Wiederaufbau zum Teil stark reduziert worden.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Zionskirche stark beschädigt: Das Kirchendach brannte komplett ab, zudem wurden der Altar, die Chorfenster, die Emporenbrüstung sowie die Sauer-Orgel zerstört. Nach einer zunächst notdürftigen Wiederherstellung in den 1950er Jahren wurde das Kirchengebäude im Dach- und Fassadenbereich seit den 1980er Jahren in mehreren Sanierungsmaßnahmen weitgehend instand gesetzt. Auch der Turm wurde nach der Wiedervereinigung vollständig saniert. Der Kirchraum selbst bedarf aber noch einer umfangreichen Restaurierung. Die Kirche konnte die letzten 30 Jahre nicht beheizt werden, was die Bauphysik nachteilig verändert hat. Von früheren Durchfeuchtungen des Mauerwerks sind viele Putzschäden in den oberen Wandbereichen und Gewölben sichtbar.

Projektbeschreibung

Seit 2009 konnte die Sanierung mit Mitteln der Städtebauförderung weiter vorangebracht werden. Im 1. Bauabschnitt in den Jahren 2009/10 wurde die fehlende Vertikalabdichtung des Gebäudes ausgeführt und damit endlich der - seit der Erbauung der Kirche problematische - Feuchteeintrag im Bereich der Sockelwände gestoppt. Im Zuge dessen wurden auch die innenseitigen Putzflächen der Außenwände im Kirchenschiff und den Sakristeien in der Sockelzone saniert. Darüber hinaus wurde die erste Ausbaustufe des Heizungskonzeptes realisiert, das durch Unterflurkonvektoren im Bereich der Außenwände zusätzlich die Trocknung und Trockenhaltung der Wände befördert.

Der 2. Bauabschnitt beinhaltete die zweite Ausbaustufe der Heizung, die aus Heizkörpern auf den Emporen besteht und es zukünftig ermöglichen wird, die Kirche im Winter frostfrei zu halten. Im Vorfeld der 2014 ausgeführten Erneuerung des Zionskirchplatzes wurden die maroden Hausanschlüsse der Kirche (Elektro, Gas, Wasser, Telekomunikation) erneuert. In diesem Zuge wurden im Turmkeller fünf WC-Kabinen angeordnet, die einen Minimalbedarf an Sanitäranlagen abdecken. Durch die Schwammsanierung der ruinösen Sakristeien werden zwei für die öffentliche Funktion des Gebäudes wichtige Nebenräume wieder nutzbar.

Die Sanierung der fünf großen Fenster in der Apsis im zweiten Bauabschnitt leitete zum dritten Förderabschnitt über. In diesem wurden sämtliche große Fenster restauriert. Dies beinhaltete die Behebung konstruktiver Schäden in den Maßwerken sowie die Reinigung und Neueinbleiung der Verglasung der 1950er Jahre. Zusätzlich konnte noch die Neueindeckung der Sakristeidächer ermöglicht werden. Damit wurde die Hüllensanierung der Kirche vorerst beendet: Dächer, Wände und Fenster sind dicht.

Die Funktion der Kirche als öffentliches Gebäude wurde durch den Einbau der WC-Anlagen und die Nutzbarmachung der beiden Sakristeien nachhaltig verbessert. Die Sanierung des eigentlichen Kirchraumes steht hingegen noch aus. Als Fingerübung für die sukzessiv folgende behutsame Gesamtsanierung konnte 2015 bereits die Vorhalle saniert werden. Gestalterisches Ziel dabei ist es, kein historisch geglättetes Bild der Kirche wiederherzustellen, sondern die Brüche und Verletzungen des Raumes sichtbar zu machen.

Planungsaufgabe
  • Objektplanung
  • Fördermittelmanagement
  • Bau im laufenden Betrieb
Bauaufgabe
  • Vertikalabdichtung des Wandsockels
  • Restaurierung der großen Kirchenfenster
  • Heizungseinbau
  • Wiederherstellung der beiden Sakristeien
  • Einbau von sanitären Anlagen im Turmkeller
  • Freilegung und Konservierung der historischen Ausmalung in der Apsis
  • Wiederherstellung der bauzeitlichen Kanzel
  • Neumöblierung von Vorhalle und Sakristei
  • Restaurierung der Vorhalle (2015)

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