Stadtkirche St. Marien, Wittenberg

Stadtkirche St. Marien, Lutherstadt Wittenberg

Generalsanierung im UNESCO-Weltkulturerbe

Bauherr: Evangelische Stadtkirchengemeinde Wittenberg

Projektzeitraum: 2002-2015

Baukosten: 7,6 Mio.

Status: UNESCO-Weltkulturerbe

Geschichte

Als ältester Teil der Kirche ist der Chor aus dem späten 13. Jahrhundert erhalten. Mit dem Bau eines Westwerks wurde ab der Mitte des 14. Jahrhunderts ein größerer Entwurf verfolgt, dessen Bau sich mit dem Neubau des Langhauses ab 1411 und der Erhöhung der Türme ab 1432 bis zur Weihe im Jahr 1439 hinzog.

Als Ersatz für die im Schmalkaldischen Krieg zur Schaffung von Geschützplattformen abgetragenen spitzen Turmhelme wurden 1555-58 nach Dessauer Vorbild neue Turmhelme mit achteckigem Unterbau und Welschen Hauben errichtet. Ab 1567/70 wurde der nördliche Sakristeianbau im Stil eines Renaissance-Schlosses aufgestockt, womit die Kubatur der Kirche in ihrer heutigen Gestalt abgeschlossen war. 1547 wurde der Reformationsaltar Lucas Cranachs d. Ä. geweiht. Sein Sohn Lucas d. J. schuf im Laufe des 16. Jahrhunderts zahlreiche Gemälde und Epitaphe, die sich noch heute in der Kirche befinden.

1806 besetzte Napoleon die Stadtkirche, plünderte und zerstörte weite Teile der Ausstattung. In der Folge wurde der gesamte Innenraum 1811 durch den italienischen Baumeister Carlo Ignazio Pozzi in neogotischer Formensprache neu gestaltet. Erst 1928 wurden noch einmal gestalterische Veränderungen in größerem Umfang vorgenommen und der Innenraum entsprechend dem Zeitgeist purifiziert.

Martin Luther predigte 30 Jahre lang in der Stadtkirche Wittenberg. Seit 1996 ist die Stadtkirche Wittenberg als Teil der Luthergedenkstätten Weltkulturerbe der UNESCO.

Projektbeschreibung

In Vorbereitung zum 500-jährigen Jubiläum der Reformation wird die Stadtkirche Wittenberg, Predigtstätte Martin Luthers, einer Generalsanierung unterzogen. Organisiert in drei Bauabschnitten sollen die Maßnahmen bis 2015 abgeschlossen werden.

Planungsaufgabe
  • Objektplanung
  • Tragwerksplanung
  • Material- und Schadenskartierung der Fassaden
  • Brandschutzkonzept
  • Historische Bauforschung zur Dachkonstruktion
  • A+S-Planung und SiGeKo
  • Bau im laufenden Betrieb
  • Schutz des Kunstgutes während der Baumaßnahmen
  • Restaurierungsplanung
Bauaufgabe
  1. Bauabschnitt: Kirchenschiff (2012)
  • Dekontamination und konstruktive Ertüchtigung des mittelalterlichen Dachstuhls, Neueindeckung mit einem industriell gefertigten Sonderbrand
  • Instandsetzung der Fassaden gemäß restauratorischen Befunden von 1570
  • Nachstellung eines Renaissanceputzes als Baustellenmischung nach den geltenden anerkannten Regeln der Technik
  • Natursteinrestaurierung einschließlich der Konservierung und Teilrestaurierung der äußeren Epitaphien und sonstiger Bauzier
  • Restaurierung der Bleiverglasung und Maßwerke
  • Sanierung von Holzfenstern aus dem 16. Jahrhundert

  

  1. Bauabschnitt: Innenräume (2013/14)
  • Neuorganisation der Erschließung über die Südvorhalle mit Integration von Rampen zur Herstellung von Barrierefreiheit
  • Einwölbung der Südvorhalle als Trockenbaukonstruktion
  • Neubau einer behindertengerechten WC-Anlage im Südturm
  • Umbau und konstruktive Ertüchtigung der Orgelempore unterhalb des geschützten Instruments
  • Ertüchtigung der Holzkonstruktionen im Renaissancebau
  • Restaurierung der gesamten wandfesten Ausstattung in der Fassung der späten 1920er Jahre
  • Einbau eines dezentral wirkenden Beheizungssystems unter besonderer Berücksichtigung des Kunstgutes
  • Neukonzeption zur Hängung der Cranachtafeln
  • Einbau einer UV-Schutzverglasung in den Chorfenstern
  • Einbau einer Einbruchmeldeanlage gemäß vorgaben LKA
  • Erneuerung der gesamten Elektrik einschließlich Beleuchtung und ELA
  • Ausbildung von Brandabschnitten und Einbau einer BMA
  • Einbau von Steigleitungen in Turm und östlichen Dachraum, Neuorganisation der Angriffswege für die Feuerwehr

 

  1. Bauabschnitt: Türme (2014/15)
  • Neuverputz der zuvor steinsichtigen Türme gemäß Befund von 1570, Einstellung des Renaissanceputzes auf die Anforderungen eines verputzten „Hochhauses“
  • Natursteinrestaurierung mit Rekonstruktion des fehlenden Maßwerkes in der Westfassade
  • Behebung massiver konstruktiver Schäden in den Holzkonstruktionen der Turmoktogone
  • Sanierung des nördlichen Glockenstuhls, Neuaufhängung und Drehung der großen Festtagsglocke von 1635
  • Einbau einer neuen Deckenebene im Turmzwischenbau
  • Grundinstandsetzung der Turmuhr samt Hammerwerken
  • Restaurierung der Ziffernblätter und Vergoldung der Turmknäufe

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