KINDL - Zentrum für zeitgenössische Kunst

KINDL - Zentrum für zeitgenössische Kunst, Berlin

Sanierung und Umnutzung der ehemaligen Kindl-Brauerei

Bauherr: KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst GmbH

Projektzeitraum: 2015-2017

Baukosten: 10,5 Mio. €

Planungsaufgabe: Objektplanung LP 3-8 nach dem Entwurf von grisard´architektur, Zürich

Geschichte

Baulicher Ausgangspunkt der ehemaligen Kindl-Brauerei war das dreigeschossige Maschinenhaus, das Ende des 19. Jahrhunderts errichtet und im Laufe der Jahre von verschiedenen Anbauten gesäumt wurde. Die Fassaden waren ursprünglich mit gelben Ziegeln verkleidet, die Fenster mit roten Ziegeln umrandet.

Zwischen 1926 und 1930 nahmen die Architekten Hans Claus und Richard Schepke einen großangelegten Umbau des Areals vor. Die Kindl-Brauerei wurde zur Kathedrale der industriellen Moderne: Zusätzlich zu den bestehenden Gebäuden wurde ein Kesselhaus und ein repräsentatives Sudhaus mit einem etwa 40 Meter hohen Turm errichtet. Hier wurde die Braukunst öffentlich inszeniert. Die sechs kupfernen Braukessel wurden in einem zwölf Meter hohen Raum präsentiert, der durch eine zweifach geschwungene Rabitzdecke mit Oberlicht und eine Empore mit repräsentativer Treppe nobilitiert wurde. Das gesamte Gebäudeensemble wurde mit einer einheitlichen, expressionistisch gestalteten Klinkerschale verkleidet.

Der Innenraum erfuhr im Laufe der Zeit verschiedene Umbauphasen, wobei für die aktuelle Sanierung die Fassung der fünfziger Jahre entscheidend sind. In dieser Zeit wurden die typischen Glasfliesen an den Wänden angebracht. Die sich östlich anschließenden Gebäude, deren Fassade analog des Sudhauses gestaltet waren, wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und dann abgerissen. Die gesamte Ostfassade kam sodann einer ungestalteten Brandwand gleich.

Bis zur Schließung im Jahre 2005 wurde hier das berühmte Berliner-Kindl-Bier gebraut, auch heute befindet sich wieder eine Privatbrauerei auf dem Areal, das zudem für Veranstaltungen genutzt wird. Mit dem Erwerb der Brauerei durch ein Sammlerehepaar wurde das Gebäude nun zu einem Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst umgebaut.

Projektbeschreibung

In den Jahren zwischen 2015 und 2017 wurde die ehemalige Kindl-Brauerei zu einem Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst umgebaut. Nach dem Entwurf von grisard’architektur übernahmen wir die Objektplanung LP 3-8 für die Gebäude.  

Auf den drei oberirdischen Geschossen des Maschinenhauses wurden großzügige Ausstellungsräume mit einer Fläche von etwa 400 Quadratmeter je Geschoss errichtet. Alle drei Ebenen haben trotz des gleichen Umrisses eine vollkommen unterschiedliche Raumanmutung. Das untere Geschoss stellt sich nach dem Umbau als ein acht Meter hoher stützenfreier Raum dar, der durch die alte Kranbahn mit dazugehöriger Kanzel strukturiert wird. In dem Geschoss darüber wurden die quer zur Längsachse des Raums verlaufenden Fachwerkträger aus brandschutztechnischen Gründen mit einer Trockenbaukonstruktion verkleidet, die zugleich einen neutralen Hintergrund für die Präsentation von Kunst bildet. So entstehen an dieser Stelle drei gleichgroße Raumabschnitte, die eine kabinettartige Ausstellungsaufteilung bilden.

Die Fachwerkträger sind ein ungewöhnliches ingenieurtechnisches Element des Bauwerks: An den Untergurten der quer verlaufenden, raumhohen und genieteten Stahltragwerke wurde die darunterliegende Decke über dem Erdgeschoss abgehängt und so der stützenfreie Raum im Erdgeschoss ermöglicht. Die darüberliegende Decke zum 2. OG liegt ebenfalls auf dieser Fachwerkkonstruktion auf. Im 2. OG stehen auf diesen Achsen die vier raumbildprägenden Stahlstützen, die die neue Sheddachkonstruktion tragen.

Das westlich gelegene Kesselhaus stellt sich als ein fast würfelförmiger Raum dar. Die Wandoberflächen wurden so weit wie möglich im Zustand des Bestandes belassen – der Raum lädt zu großräumigen  Kunstinstallationen ein.

Im Sudhaus wurde ein großzügig gestaltetes Café eingerichtet. Hierzu wurden die aus den 1970er Jahren stammenden Schaltschränke in der Ebene des Versatzes zwischen der unteren großen Ebene und der Empore entfernt und die notwendigen Einbauten für ein Café, wie der Tresen und zusätzliche Schrankflächen, dort eingepasst. Das großzügig verglaste Foyer bildet zusammen mit dem Treppenhaus Ost, welches die einzelnen Ausstellungsebenen des Maschinenhauses verbindet, ein offen gestaltetes  Erschließungssystem, das an der Ostseite des Maschinenhauses und des Sudhauses angefügt wurde. Als ungedämmte Sichtbetonskulptur mit einer punktgehaltenen Verglasung ist es bewusst modern gestaltet und wird so zusammen mit dem Foyer zum architektonischen Markenzeichen des Gebäudes. Südlich des Gebäudes wurde in der das Gebäude umgebenden Asphaltfläche ein leicht abgesenkter Biergarten angeordnet. Die Umfassung des Bereichs besteht aus skulptural geformten Sichtbetonelementen. Das grüne Dach des Biergartens wird aus mehrreihig angeordneten Pappeln gebildet.

Planungsaufgabe
  • Objektplanung LP 3-8 nach Entwurf grisard´architektur, Zürich
Bauaufgabe
  • Umbau, Sanierung und Erweiterung eines Einzeldenkmals für die Umnutzung
    zu einem Zentrum für zeitgenössische Kunst
  • Neubau des Haupttreppenhauses in Sichtbeton als repräsentative Erschließung
  • Bauen bei laufendem Betrieb unter Berücksichtigung der Anforderungen aus der Produktion und dem Ausschankbereich der im Gebäude befindlichen Rollbergbrauerei
  • Fassadensanierung Klinkermauerwerk
  • Betoninstandsetzung an Decken
  • Brandschutzertüchtigung der Tragkonstruktion
  • Reparatur und Austausch der vorhandenen Stahlsteindecken
  • Innenausbau und umfangreiche Implementierung von haustechnischen Anlagen für den Betrieb als Ausstellungsfläche für zeitgenössische Kunst
  • Einbau einer Vollküche für den Betrieb eines Cafés im ehemaligen Sudhaus

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