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Audimax Braunschweig

Audimax Braunschweig

Denkmalgerechte Sanierung des Gebäudes

Bauherr: Technische Universität Braunschweig

Projektzeitraum: 2016-2020

Baukosten: ca. 7,5 Mio. € 

Status: Einzeldenkmal

Geschichte

Die in den 1950er und 1960er Jahren errichteten Hochschulbauten der TU Braunschweig stehen für den modernen, demokratischen Neuanfang der Universität nach dem Zweiten Weltkrieg. Als Teil des zentralen Forumensembles wurde das Audimax in den Jahren 1959/60 nach Plänen von Friedrich Wilhelm Kraemer errichtet. Der klar gegliederte Baukörper wird von großen Formen dominiert: dem Hörsaalkubus mit zwei vollflächig verglasten Fassaden, der umlaufenden Dachterrasse als horizontale Scheibe und den allseits geöffneten Kolonnaden darunter. Der Entwurf lebt vom konzeptionellen Einsatz kontrastierender Farben und Materialien, die jeweils auf ein Minimum reduziert wurden: eloxiertes Aluminium, Glas, Sichtbeton und Holz in weiß, schwarz, dunkelgrau sowie das Rot der gepolsterten Hörsaalbestuhlung als einzige markante Farbsetzung. Ein verspieltes Moment erhält die reduzierte Gestaltung durch Hans Arps Wandinstallation „Wolkenzug über nachtschwarzem Himmel“ an der Westfassade. Alle optisch und funktional wirksamen Oberflächen und Bauteile sind akribisch durchdetailliert. Einfachste Bauteile, wie die Holzleistendecke mit Punktleuchten, wurden bis auf den Millimeter auf das vorhandene Raster angepasst. Aber auch hochkomplexe Bauteile, wie die Aluminium-GlasFassade des Hörsaalkubus, wurden unter Berücksichtigung aller erforderlichen Aspekte geplant, erprobt und umgesetzt. Dabei wurden bereits alle auch heute wichtigen Themen, wie Wärmeschutz, Schallschutz, Raumakustik, Verdunkelung und Sonnenschutz, berücksichtigt.

Projektbeschreibung

In gestalterischer Hinsicht war es das Ziel der Sanierung, das klare und bis ins Detail durchdachte Entwurfskonzept des Architekten Friedrich Wilhelm Kraemer wieder ablesbar zu machen. Intensiv genutzte Raumbereiche, wie etwa das Foyer, werden in ihrer gestalterischen Stringenz und Klarheit nun wieder offenbar. Die im Entwurf kontrastierend verwendeten Farben (weiß, schwarz, dunkelgrau, rot) und Materialien (eloxiertes Aluminium, Glas, Sichtbeton, Holz) treten erneut in ihrer gestalterischen Qualität hervor.

Darüber hinaus konnten in energetischer und brandschutztechnischer Hinsicht erhebliche Mängel behoben werden. Der Bauzustand zu Sanierungsbeginn war insbesondere hinsichtlich des unzureichenden Wärmeschutzes im Audimax nicht akzeptabel – im Sommer mussten aufgrund der extremen Wärmebelastung teilweise Vorlesungen abgesagt werden. Vor allem die Nord- und Südfassaden des Hörsaalkubus bedurften einer Instandsetzung. Die fast 9,0 m langen eloxierten Aluminiumprofile tragen eine zweischalige Glasfassade mit außenliegender Festverglasung und innenliegenden Kippflügeln mit schräg gestellter Verglasung. In die Profile integriert sind elektrisch fahrbare Sonnenschutz- und Verdunkelungsanlagen, die im Rahmen der Sanierung erneuert wurden. In einer detaillierten Untersuchung der Fassade zeigte sich, dass ein Erhalt der faszinierend komplexen Konstruktion aufgrund ihres guten Zustandes möglich und vor allem sinnvoll ist. Ein langer Abwägungsprozess mit dem Bauherren und den Denkmalschutzbehörden führte zu der Entscheidung, die Fassaden komplett zu demontieren, um Platz für die Betoninstandsetzung des ca. 28,0 m spannenden Sturzes zu schaffen. Nach einer zuvor bemusterten Reinigung der Aluminiumprofile wurden diese mit neuen Kopfund Fußplatten wieder eingebaut.

Um das Ziel des besseren sommerlichen Wärmeschutzes zu erfüllen, wurde die äußere Verglasung als Isolierverglasung ausgeführt, die zusätzlich als Absturzsicherung von der Dachterrasse in die tiefer liegenden Bereiche des Hörsaals nachgewiesen werden konnte. Möglich ist dieser Verglasungswechsel nur, weil im Bestand eine 10 mm starke Einfachverglasung verbaut wurde, die 1960 für einen ausreichenden Schallschutz sorgen sollte. Auch die ungedämmten Beton-Hohlkammerwände des Hörsaalkubus wurden energetisch verbessert. Durch den Einsatz eines mineralischen Hochleistungsdämmputzes, der mit nur 4 cm Auftragsstärke sowohl den hygienischen als auch den sommerlichen Wärmeschutz sicherstellt, konnte die Veränderung des Erscheinungsbildes auf ein Minimum reduziert werden. Das markante Fugenbild wurde dabei in gleicher Maßlichkeit nachgebildet, die ursprünglich dunkelgraue Fassung der Betonoberflächen wurde jedoch nicht wiederhergestellt.

Ein weiteres wesentliches Ziel der Sanierung war es, die denkmalpflegerischen Werte des Gebäudes in Einklang mit den aktuellen Anforderungen des Brandschutzes zu bringen. Um die Ensemblewirkung des Forums zu stärken, hat Kraemer eine verbindende Terrassenebene im Obergeschoss geschaffen. Auch die Erdgeschossdecken sind innen und außen einheitlich mit bauzeitlichen Holzleisten bekleidet. Aus brandschutztechnischer Sicht ist dieses verbindende Element jedoch problematisch: Um die Anforderungen an die Flucht- und Rettungswege aus den als Versammlungsstätten geltenden Hörsälen sicherzustellen, mussten die historischen Holzleisten gegen ein Material ausgetauscht werden, das als nicht brennbar eingestuft wird. Optisch sollte es jedoch dem Bestand entsprechen. Im Zuge dessen wurde auch die im 1. Bauabschnitt bewusst provisorisch verlegte Elektroinstallation vollständig erneuert. Dabei kommen neue, den historischen Leuchten detailliert nachempfundene Punktleuchten zum Einsatz, die jedoch zeitgemäß mit LED-Technik ausgestattet wurden. Im Audimax-Hörsaal selbst wurde die begehbare hölzerne Unterdeckenkonstruktion erneuert, um zum einen die heutigen Brandschutzanforderungen zu erfüllen und zum anderen die durch mehrfaches Beschichten verloren gegangenen raumakustischen Eigenschaften wieder zu aktivieren. Zudem wurde die nicht mehr bauzeitliche Hörsaalbestuhlung erneuert.

Planungsaufgabe
  • Objektplanung (inkl. Bestandsaufnahme; Denkmalpflegerische Zustandsdokumentation)
Bauaufgabe
  • Sanierung der Glas- und Betonfassaden (Hörsaal Audimax inkl. Sonnenschutz- und Verdunkelungsanlage, im EG nur die Oberlichtbänder oberhalb des Brüstungsmauerwerkes innen und außen)
  • Sanierung des begehbaren Daches im 1.OG einschließlich Austausch der Werksteinplatten des Bodenbelages, der Wärmedämmung und der Abdichtung
  • Erneuerung der Holzleistendecke im Erdgeschoss aus Brandschutzgründen inkl. Beleuchtung, Sicherheitsbeleuchtung und Alarmierungsanlagen
  • Sanierung der umlaufenden Holzleistendecke im Außenbereich inkl. Außenbeleuchtung
  • Ergänzung der Brandmeldeanlage und Umsetzung der sonstigen Anforderungen an den Brandschutz
  • Sanierung des Hörsaalgestühls im Audimax
  • Erneuerung der Abhangdecke im Hörsaal Audimax unter Berücksichtigung der raumakustischen Erfordernisse
  • Erneuerung der Haupteingangstüren und Herstellung der barrierefreien Zugänglichkeit zu den Hörsälen
  • Ausbau schadstoffbelasteter Baustoffe
  • Instandsetzung des Bodenaufbaus und Austausch des Bodenbelages im Bereich der Cafeteria
  • Aufarbeitung der Sichtbetonstützen im Außenraum
  • Aufarbeitung der Brüstungsbekleidungen (Sichtbeton / Werkstein)
  • Herrichtung der Nebenräume im Erdgeschoss

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