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Die St. Marien-Andreas Kirche geht auf eine spätromanische Basilika des frühen 13. Jahrhunderts zurück und erhielt im 14. Jahrhundert ihren bis heute prägenden Hallenumgangschor. Das Langhaus wurde im 16. Jahrhundert und der Turm im frühen 19. Jahrhundert neu errichtet. Nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde in den 1950er Jahren zunächst nur das Langhaus wieder unter Dach gebracht. Nach Entwürfen des Architekten Winfried Wendland entstand mit begrenzten Mitteln eine Neugestaltung, die von Gestaltungswillen und Sorgfalt im Detail zeugt. Der Chor jenseits des vermauerten Triumphbogens blieb bis in die 1990er Jahre Ruine. Nach der Wende gelang es, in mehreren Bauabschnitten, den Turm, die Gewölbe des Kirchenschiffs und das Dach des Chorraumes wiederherzustellen. Die verschiedenen Wiederaufbau- und Umbauphasen führten im Inneren jedoch dazu, dass kein ästhetisch ganzheitlicher Raumeindruck entstand.

Die aktuelle Sanierung inszeniert die schlichte Eleganz der Nachkriegsmoderne im Dialog mit der wiederhergestellten mittelalterlichen Raumschale neu. Während der Kirchenraum zuvor gestalterisch in einzelne Fragmente zerfiel, ist er heute wieder als ästhetische Einheit erfahrbar. Eine durchgehende, barrierefreie Fußbodenebene verbindet Langhaus und Chor und bindet diesen wieder als liturgisches Zentrum in den Gesamtraum ein. Die Rekonstruktion der mittelalterlichen Sterngewölbe führt den Wiederaufbau des Chorraums zu Ende und stärkt zugleich dessen räumliche und liturgische Präsenz. Zwei neue Emporen in den Seitenschiffen ermöglichen es, den Kirchenraum künftig stärker kulturell zu nutzen. Ihre Brüstungsgestaltung knüpft an die Formensprache der Westempore der 1950er Jahre an.

Der Entwurf versteht die Brüche der Geschichte nicht als Mangel, sondern als Teil der Identität des Ortes. Aus den Fragmenten verschiedener Jahrhunderte entsteht ein neues Ganzes. Die Geschichte der Kirche wird dabei nicht korrigiert, sondern fortgeschrieben.

St. Marien-Andreas Kirche

Rathenow
Neuinszenierung eines gebrochenen Raumes

Bauherr:

Evangelische Kirchengemeinde St. Marien-Andreas Rathenow

Projektzeitraum:

2022
-
2026
Einzeldenkmal

St. Marien-Andreas Kirche

Rathenow
Neuinszenierung eines gebrochenen Raumes

Bauherr:

Evangelische Kirchengemeinde St. Marien-Andreas Rathenow

Projektzeitraum:

2022
-
2026
Einzeldenkmal

Die St. Marien-Andreas Kirche geht auf eine spätromanische Basilika des frühen 13. Jahrhunderts zurück und erhielt im 14. Jahrhundert ihren bis heute prägenden Hallenumgangschor. Das Langhaus wurde im 16. Jahrhundert und der Turm im frühen 19. Jahrhundert neu errichtet. Nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde in den 1950er Jahren zunächst nur das Langhaus wieder unter Dach gebracht. Nach Entwürfen des Architekten Winfried Wendland entstand mit begrenzten Mitteln eine Neugestaltung, die von Gestaltungswillen und Sorgfalt im Detail zeugt. Der Chor jenseits des vermauerten Triumphbogens blieb bis in die 1990er Jahre Ruine. Nach der Wende gelang es, in mehreren Bauabschnitten, den Turm, die Gewölbe des Kirchenschiffs und das Dach des Chorraumes wiederherzustellen. Die verschiedenen Wiederaufbau- und Umbauphasen führten im Inneren jedoch dazu, dass kein ästhetisch ganzheitlicher Raumeindruck entstand.

Die aktuelle Sanierung inszeniert die schlichte Eleganz der Nachkriegsmoderne im Dialog mit der wiederhergestellten mittelalterlichen Raumschale neu. Während der Kirchenraum zuvor gestalterisch in einzelne Fragmente zerfiel, ist er heute wieder als ästhetische Einheit erfahrbar. Eine durchgehende, barrierefreie Fußbodenebene verbindet Langhaus und Chor und bindet diesen wieder als liturgisches Zentrum in den Gesamtraum ein. Die Rekonstruktion der mittelalterlichen Sterngewölbe führt den Wiederaufbau des Chorraums zu Ende und stärkt zugleich dessen räumliche und liturgische Präsenz. Zwei neue Emporen in den Seitenschiffen ermöglichen es, den Kirchenraum künftig stärker kulturell zu nutzen. Ihre Brüstungsgestaltung knüpft an die Formensprache der Westempore der 1950er Jahre an.

Der Entwurf versteht die Brüche der Geschichte nicht als Mangel, sondern als Teil der Identität des Ortes. Aus den Fragmenten verschiedener Jahrhunderte entsteht ein neues Ganzes. Die Geschichte der Kirche wird dabei nicht korrigiert, sondern fortgeschrieben.

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